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Staatliche Popmusikfinanzierung – ein Zukunftsmodell? Spannende Diskussion mit Vertretern der Berliner Musikszene

8. April 2014

Plakat-MusicBoard-2014-03-19-1Berlin, 2. April 2014: Das erste Kulturstudio im Sommersemester 2014 mit den Gästen Katja Lucker, Andreas Richter, Stephan Hengst, Laurids Richter und Gregor Heinze sowie dem Moderator Martin Lücke, Professor für Musikmanagement am Campus Berlin, stand ganz im Zeichen öffentlicher Kulturfinanzierung. Bekanntlich geben Bund, Länder und Gemeinden jedes Jahr mehr als 10 Mrd. Euro für kulturelle Zwecke aus, die vor allem der sogenannten Hochkultur (Sprech- und Musiktheater, klassische Musik, Museen etc.) zu Gute kommen. Die populäre Kultur zieht bei der Verteilung der Mittel oftmals den Kürzeren, schließlich ist diese oftmals auf den Mainstream ausgerichtet und finanziert sich über den Markt selbst – so zumindest die Theorie.

Ende 2012 berief nun aber das Land Berlin Katja Lucker zur Musikbeauftragten und statte das gleichzeitig ins Leben gerufene Musicboard mit einer Million Euro Kapital aus. Ziel: Förderung der Rock- und Popmusik in Berlin. Zunächst drehte sich auf dem Podium alles um die Frage, wie das Musicboard funktioniert, wen und oder was es fördert und welchen Sinn eine staatliche Förderung der Popkultur überhaupt hat, denn eine Million Euro sind im Vergleich zur zigfachen Hochkulturförderung überaus geringe finanzielle Mittel. Wichtig sei aber, so Lucker, dass überhaupt einmal mit einer zielgerichteten Förderung der Populärkultur begonnen werde. Die beiden Stipendiaten des Musicboard, der Schlagzeuger Laurids Richter und Jazzpianist Gregor Heinze, erläuterten dann auch ausführlich, wie sie die Förderung des Musicboard einsetzen; wobei sich die Höhe der Förderung auf jeweils ca. 6.500 Euro beläuft – umgerechnet auf die Dauer eines halben Jahres ca. 1.100 Euro pro Monat. Doch dank dieser Mittel konnten sich die beiden Musiker mehr auf ihre Musik konzentrieren, brauchten in dieser Zeit weniger unterrichten und hatten dadurch mehr Zeit für spannende musikalische Experimente. Das Ergebnis dieser halbjährigen Experimentierphase wird bald veröffentlicht, dennIMG_1146---Kopie kurz vor der Podiumsdiskussion konnten die beiden ihr fertiges Master in Empfang nehmen. Denn die soziale Lage vieler Musiker, egal aus welchem Genre sie stammen, ist alles andere als rosig, einige wenige können mehr als gut von Ausübung ihrer Kunst leben, wohingegen eine Vielzahl talentierter Musiker vor und hinter den Kulissen von Förderungen aller Art abhängig ist, um sich ihrer Kunst widmen zu können – die Zahlen der KSK (Künstlersozialversicherung) zeigen hier in aller Deutlichkeit, wie gering die monatlichen Einnahmen für Musiker sind: ca. 1.000 Euro!

Auch Stephan Hengst, Künstlermanager und Vertreter der BMC (Berlin Music Commission), betonte die große und stetig wachsende Bedeutung der Popkultur für die Stadt Berlin, denn Kultur ist ein wichtiger touristischer und damit auch wirtschaftlicher Faktor, von dem in einem zweiten Schritt auch die Musikwirtschaft profitieren könne. Zudem verfügten vor allem die kleinen Unternehmen kaum über die Mittel, neue Künstler aufzubauen, das Musicboard könne hier einen wichtigen Beitrag leisten.

Einen ganz anderen Blick brachte Andreas Richter in die Diskussion. Der ehemalige Direktor des Deutschen Sinfonieorchesters Berlin und Intendant des Mahler Chamber Orchestra, der seit einigen Monaten als freier Consultant Orchester weltweit berät, berichtete über die Funktionsweise der Förderung bei klassischen Orchestern. Denn auch die Förderung in diesem Segment ist nicht flächendeckend, auch hier würden bestimmte Organisationseinheiten (Orchester, Opernhäuser) und Stilistiken (Wiener Klassik, Romantik etc.) bevorzugt, Stile wie die Neue Musik erhielten auch hier nur geringe finanzielle Mittel.

Letztlich plädierten auf dem Podium alle Beteiligten für eine Neuordnung der Förderstrukturen, ein Aufbrechen der Grenzen, so wie sie heute existieren, für eine genreübergreifende Finanzierung, um der Musik ein breites Forum zu bieten. Der Anfang ist dank des Musicboard getan, weitere Projekte müssen aber nun folgen, um auch die Popfinanzierung flächendeckend zu gewährleisten.

Solche Fragestellung rund um das facettenreiche Thema Kultur werden ab Herbst in der neuen Studienrichtung Kulturmanagement am Campus Berlin intensiv diskutiert und erforscht.

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