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Rezension: Felix Bamert (Hg.): Musikmanagement, Bern 2011.

12. April 2012

Studiengänge zum Thema Musikmanagement gibt es inzwischen sicherlich ausreichend, Bücher bzw. Lehrbücher zu diesem in Zeiten von Digitalisierung, Cloud und Co. Umfangreichen Thema noch nicht. Und so machte der Titel des von Felix Bamert herausgegebenen Bandes „Musikmanagement“ zunächst sehr neugierig. Haben es der Herausgeber sowie die zwanzig beteiligten Autoren geschafft, das komplexe Thema Musikmanagement in seiner Gesamtheit verständlich zu präsentieren? Mit Neugierde schlug der Rezensent das ca. 350-seitige Werk auf und vertiefte sich in das Vorwort. Die erste (kleine) Ernüchterung: es wird in dieser Publikation vor allem um Management von Musik für den Klassikmarkt gehen, der – wirtschaftlich wichtigere – Popularmusikmarkt wird – leider – ausgeklammert.
Aufgebaut ist das Buch „gleichsam als Zwiebel von innen nach außen“ (S. 17), wobei zunächst im Kern der Mensch bzw. Künstler, in der darüberliegen Schicht der institutionelle und organisatorische Rahmen sowie abschließend das (kulturpolitische) Umfeld stehen.

Teil 1: Selbstmanagement

Im ersten, mit „Selbstmanagement“ betitelten Abschnitt der Publikation steht der Künstler und dessen personelle Kompetenzen im Zentrum. Zunächst beschreibt Hector Herzig, wie Visionen und Ziele eines Künstlers überhaupt zu erfüllen sind, bevor Chris Brügger daran ansetzt und diverse Kreativitätstechniken aufzeigt. Es folgen Aufsätze, die sich mit dem eigenen Tun auseinandersetzen. So wird beschrieben, wie auf Stresssituationen zu reagieren ist, welche Bedeutung das Thema Zuhören hat und wie persönliche Netzwerke erfolgreich aufgebaut und gepflegt werden. Etwas griffiger geht es bei Konstantin Unger zu, der Tipps gibt, ob eine Künstleragentur überhaupt notwendig ist und wie man die richtige ggf. findet.

Absolut lesenswert, weil ungemein wichtig, sind schließlich die Beiträge von Poto Wegener, der kenntnisreich und dabei trotzdem verständlich in die Themen Urheber- und Verwertungsrecht[1] einführt. Beide – oft zusammenhängenden – Rechte muss ein jeder Künstler kennen und vor allem begreifen, um auch in dieser sich wandelnden Phase der Musikwirtschaft am Markt bestehen zu können. Neben den Rechten sind auch Verträge ein Bereich, in dem sich Künstler detailliert auskennen müssen. Nach einer Einführung in das allgemeine Vertragsrecht gibt Poto Wegener daher auch noch einen Einblick zu verschiedenen Verträgen im Musikbusiness, wobei er neben Musikverlags- und Tonträgerverträgen auch Verträge für neue Businessmodelle bespricht.

Teil 2: Leadership

Im zweiten Teil der Publikationen beschäftigen sich die verschiedenen Autoren mit dem Aspekt der Führung in Musikschulen und Musikinstitutionen und beginnen bei der grundlegenden persönlichen Führungskompetenz (Nikolaus Storz), die notwendig ist, um jegliche Institution und deren Mitarbeiter erfolgreich zu leiten und lenken. Wie dies gelingen kann führt Ueli Kilchhofer aus, indem er die verbale Kommunikation zwischen Führendem und Geführtem in das Zentrum seines Beitrags stellt. Das gesprochene Wort ist, auch in Zeiten von Email-Kommunikation, noch immer die beste Möglichkeit einzelne Mitarbeiter oder Gruppen zu motivieren oder Konflikte einfach zu lösen, denn sicherlich hat jeder schon einmal festgestellt, dass bestimmte Dinge in einer schriftlichen Kommunikation nicht immer korrekt vom Empfänger aufgefasst werden.

Ein Aspekt der auch zur Führung einer Institution gehört ist das Thema Verhandeln, dem sich Urs Alter ausführlich widmet, wobei er sowohl „faire“ als auch „unfaire“ Verhandlungsmethoden darstellt. Hilfreich sind hierbei auch die zahlreichen Tipps zum richtigen Verhandeln.

Nach einem Blick auf das Thema Change Management (Hector Herzig) – Sätze wie „Das haben wir schon immer so gemacht“ kennt ein jeder ! – gehen Lucia Dahinden, Peter Krepper und Nikolaus Storz auf den Bereich Personalmanagement ein, wobei sie die Aspekte Personalauswahl, Arbeitsrecht[2] und Mitarbeiterbeurteilung hervorheben.  Abgeschlossen wird das Kapitel Leadership mit dem „lieben Geld – Budget und Kalkulation“. Ohne eine grundlegende finanzielle Basis müssen Projekte zwangsläufig scheitern. Noch immer möchten sich viele – freie – Künstler nicht mit Zahlen beschäftigen, dabei ist dies in der Regel sprichwörtlich lebensnotwendig. Hansjörg Künzli versucht daher so konkret wie möglich das Thema Rechnungswesen zu erläutern, um die Furcht vor kleinen und großen Zahlenkolonnen zu nehmen.

Teil 3: Konzept- und Projektdesign

Im letzten Teil versuchen die Autoren den klassischen Dreiklang sämtlicher Projekte „konzipieren – kommunizieren – finanzieren“ strukturiert darzustellen, wobei sich Pius Knüsel zunächst mit der Kulturpolitik der Schweiz mit samt ihren „Spielräumen und Regeln“ befasst. Im Anschluss behandeln die Autoren die Themen Projektmanagement (Christian Hofmann) sowie Öffentlichkeits- und Medienarbeit (Andreas Weidmann, Jodok Kobelt), bevor der oft so schwierige Bereich der Finanzierung ins Zentrum rückt. Neben Fundraising und Sponsoring behandeln die Autoren hier auch das Thema Förderstiftungen, um gut geplante und kommunizierte Projekte letztlich in die Praxis umsetzen zu können.

Letztlich bietet der Sammelband eine qualitativ heterogene Auswahl an Artikeln, die aber teilweise sehr gut aufgearbeitet und recherchiert daherkommen (vgl. u.a. die Beiträge von Poto Wegener). Möglicherweise ist der Haupttitel der Publikation im ersten Moment ein wenig irreführend, denn geboten wird meines Erachtens ein Ratgeber zum Thema Selbstvermarktung für Musiker im Umfeld des Schweizer Klassikmarktes. Damit steht dieser Band in direkter Konkurrenz zur Publikation „Selbstmanagement im Musikbetrieb: Ein Handbuch für Kulturschaffende“ von Petra Schneidwind und Martin Tröndle, das gerade in 2., komplett überarbeiteter Auflage erscheint. Der Sammelband von Felix Bamert richtet sich daher aufgrund seiner einseitigen Ausrichtung auf das Schweizer Rechts- und kulturpolitische System vor allem an Musiker und Musikinstitutionen in der Schweiz.

Felix Bamert (Hrsg.)
Musikmanagement: Der Leitfaden für die Praxis
Bern 2011, 346 Seiten


[1] Der Autor beschränkt sich dabei auf das Schweizer Urheber- und Verwertungsrecht, das sich in Details vom Deutschen Recht unterscheidet

[2] Auch hierbei beschränkt sich der Aufsatz auf das Schweizer Arbeitsrecht!

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